Mittwoch, 27. Januar 2010

Barfer-Nostalgie...

Heute kam unsere Lieferung vom Tierhotel, und beim Verstauen wurde ich glatt ein bisschen wehmütig.

Vor bald 12 Jahren war Barfen ja noch ein echtes Abenteuer. Unserereins hatte da einen Hund, der fraß schlecht, sah schei*e aus und klapperte beim Laufen... der Tierarzt verordnete Biotin. Damit fraß der Hund schlecht, sah schei*e aus, klapperte beim Laufen, produzierte aber ne Menge Unterwolle. Bei Fressnapf gab es ein klitzekleines Regal mit Zusätzen, sie waren alle mein. Ob Lupoderm oder sonstiges Haut- und Fell- und Vitalzeugs... vielleicht hätte ich sie selbst nehmen sollen, vielleicht wären wenigstens meine Fingernägel damit fester geworden? Stunden verbrachte ich damit, dort Futtertüten und Dosen umzudrehen, zu lesen und schließlich zu verstehen.

Der Wolff sollte es dann richten. Unsere Hunde - gesund durch Homöopathie... er empfiehlt für Fälle wie diesen die Reinigungskur. Ein Teil rohes Rinderhack, ein Teil rohe Haferflocken, ein Teil Gemüse unter der Erde, ein Teil Gemüse über der Erde wachsend. Der Hund fraß. Gut, er fraß besser als wir, denn das Einkaufsbudget ging für Hundefleisch drauf... ich yahoo-te also weiter (damals gab's ja noch kein Google) und fand eine Yahoogroup (die jetzt zu Google gehören), da fütterten Leute ihre Hunde roh und nannten es biologisch artgerechtes rohes Futter. Der erste Gefrierschrank zog ein und mit ihm der zweite Hund. Wenn man nicht aufpasst, werden aus zwei Hunden fünf und unser erster Wurf wurde halb-gebarft aufgezogen.

Barf wurde bekannter und es war eine ganze Zeit lang nicht so nett, ein Barfer zu sein. Barfer meinten oft, Nicht-Barfer missionieren zu müssen. Missionar wollte ich nie werden, auch kein Jünger. Ich wollte nur meine Hunde füttern.

Zum Gefrierschrank gesellte sich ein zweiter und dann auch eine Truhe. Listen wurden geführt, wo es ganzen Pansen auf welchem Schlachthof an welchen Tagen für einen 5er gab. Wann hatte der Mitarbeiter Dienst, der die Hühnerhälse ohne MwSt abgab? Wie viel Leber braucht man für den Innereienmix, und wie schneidet man bloß Lunge? Schlachthoftouren, Einkaufsgemeinschaften, Eintüt- und Einfrierpartys. Gemüse schnippeln und pürieren, manches schnellkochen. Glückliche Hunde, die am Eintüt-Tag unter dem Tisch lagen und dort am Ende nur noch hervorrollen konnten. Unvergessen und legendär die Party, wo wir 10kg-Mischfleischbeutel in Eimern mit Heißwasser in unserem Wohnzimmer antauten, um sie in Daya-, Shira-, Peggy- und Bhyi-Bo-gerechte Portionen umzutüten. Gefrorene Finger vom Umpacken von 100kg Hühnerhälsen.

Nun, wo der erste Hund ein zweistelliges Alter erreicht hat, ist Barfen ganz anders geworden. Die Schlachthöfe unserer Umgebung verkaufen ihre ehemaligen Abfälle nicht mehr an die kleinen Abholer oder lassen es sich gut bezahlen. Adieu, Schlachthoftage und Eintütparties. Listen schreiben? Ja, über Zusätze - wo gibt es sie günstig, was ist sinnvoll, wo sind sie am saubersten, nächstes Jahr wird der nächste Hund auch schon zehn... Fleisch und püriertes Gemüse kommt so wie heute bequem portioniert und gefroren per Internetbestellung ins Haus und das einzige Abenteuer besteht noch im Dörren und Backen von eigenen Leckerchen, denn da kann man wirklich noch was sparen. Die Kühltruhe ist merkwürdig sortiert und aufgeräumt...



... und barfen ist tatsächlich nicht mehr als Hunde füttern. Nur beim zweiten Wurf, da hab ich mir noch ein bisschen in die Hose gemacht. :))

Kommentare:

Veronique, Dobby & Lynn hat gesagt…

haha wie immer toll geschrieben! =O) ich hab ja nur zwei kleine hunde, aber das macht das barfen höchstens billiger. da ich teilbarfe, beträgt die tägliche gemüseportion noch 10g. das zu portionieren um es dann einzufrieren ist auch eine doofe arbeit! ;O) aber was macht man nicht alles damit hund gesund frisst (meistens viel gesünder als ich selbst!) ;O) und mit dem ersten hund damals ist auch bei mir ein gefrierschrank eingezogen. und der ist bei weitem grösser als "mein" mini-gefrierfach im kühlschrank. manchmal frag ich mich schon ob man als hundehalter komisch wird?... *grins*

Tibet-Terrier-Fan hat gesagt…

Ein super Artikel,habe ihn mit einem griesen im Gesicht gelesen.Auch ich füttere seit 20 Jahren Frischfleisch.Damal gabs bei uns einen Hundemetzger.Heute kommt es auch das dem Gefrierschrank.Meine beiden Mädels sind eben auch nur Hunde:)

hundelola hat gesagt…

Hach ja, stimmt, dass waren noch Zeiten.
Manchmal gönne ich mir noch das "Vergnügen" des Pansenschnippelns und Fleischeintütens. So rein aus Nostalgie....*g*

LG hundelola

BamBams Frauchen hat gesagt…

Ich sitz auch grad hier uns grinse, weil ich am Freitag einen Eintüttag hatte. Denn ich hab den Schlachthof in Köln vor der Tür und dort ist es immer noch billiger als mit Versandkosten im Internet zu bestellen. Und seit der Hund "am Stück" frisst, wird nur noch der Pansen gewolft gekauft. Trotzdem ist eintüten immer noch sehr arbeitsintensiv. Der Vorteil des Schlachthofs liegt auch darin, dass ich sehen kann, was ich kaufe, bevor ich es bezahle. Aber sie sind auch teurer geworden, als sie vor ca. 5 Jahren noch waren.

Alles andere, den ganzen Weg durch die Barfschule, kommt mir alles sehr bekannt vor. Zum Glück wird alles entspannter, je länger man etwas macht und je größer der gesammelte Erfahrungsschatz wird. Was bleibt ist: Es macht immer noch Spaß, dem Hund beim Fressen zuzugucken. :))

AK + Marie + Nicki hat gesagt…

Wir sind wieder on... Neuer Server, neues Spiel... Erklärt mir jemand, wie das mit den Feed-Readern geht? Oder/Und wie man andere Blogs verlinkt und die neusten Einträge erscheinen direkt?

Tina hat gesagt…

Hallo liebe Steffi!
Meine kleine Hovawarthündin Meggi und ich (Tina) wollen sich vorstellen, und HALLÖCHEN sagen :) :)
Deine Beiträge lesen sich wunderbar! TOLL!!! toll geschreiben!!!

Vielleicht schaust du auch mal bei uns vorbei? Meggi und ich würden uns freuen :)

Liebe Grüße, Tina&Meggi

Hunde Bafer hat gesagt…

Super Artikel,da fühlen wohl alle die schon länger artgerecht füttern mit. Mein Dackel-mädchen Sissi ist jetzt stolze 14 Jahre alt und bei bester Gesundheit. Ich füttere seit ca. 12 Jahren barfer, auch wenn es manchmal mehr Aufwand war, bin ich sehr froh mich für diese Art des Fütterns entschieden zu haben.
LG. Peter